Rezension zu „Der hellste Teil der Nacht“


Daten: 
Der hellste Teil der Nacht von Elja Janus – 480 Seiten – ISBN: 978-3751995245 – 14,99€ – veröffentlicht am 08. September 2020

Klappentext:

Ich weiß, dass ich mich jetzt schrecklich verletzlich mache. Und doch … Fehle ich dir eigentlich nie? Würdest du nicht gern meine Stimme zu meinen Sätzen hören? Ich höre sie, murmelt er. Ich höre sie viel zu oft. Melinda und Simeon – zwei Autoren bei Instagram, die einander über eine Brücke aus tausenden von Worten immer näher rücken. Aus der Ferne tanzt sie mit ihm im Regen, und er lauscht dem Lächeln und den Tränen zwischen ihren Buchstaben. Doch wie gut kann man jemanden kennen, der einem nie begegnet ist? Und was ist, wenn einer von beiden ein Geheimnis hat, das mit einem Mal auch über ihre hellsten Nächte einen Schatten legt? Ein Buch über Illusionen, Angst und den Mut, sich dem wahren Leben zu stellen.

Meine Meinung:

Wer die Bücher von Elja Janus kennt, der weiß das sie immer etwas sehr Besonderes sind. Sie sind nicht laut und voller Dramen wie in einer Netflix Serie. Oft sind sie leise und die Bedeutung findet man, wenn man ganz genau zwischen den Zeilen liest.
Und weil ihre Bücher so besonders sind, war ich natürlich auch extrem gespannt auf ihr neues Buch. 

Hier geht es um Melinda und Simeon. 
Melinda ist Autorin und kämpft um die Anerkennung der Männerwelt. Sei es um Männer aus der Buchwelt, die ihre Liebesromane als seicht abtun oder auch um die Anerkennung ihres Mannes. 
Trotzdem führt sie ein fröhliches und offenes Leben. Sie ist viel mit Freunden unterwegs und präsentiert sich oft auf Instagram.
Ein Schicksalsschlag führt allerdings dazu das Melinda einen ganz anderen Blick auf ihr Leben bekommt.

Simeon ist ein Erfolgsautor. Alle seine Bücher landen auf der Bestsellerliste und er hat direkt mit seinem ersten Buch großen Erfolg gehabt.
Er lebt sehr zurückgezogen. Niemand weiß wie er aussieht oder wo er wohnt. Auch wenn er bei Instagram ist, zeigt er sich selber nie. Nur seine Arbeiten. Dadurch ist eine Art Mysterium um ihn entstanden,
Simeon ist ein sehr verschlossener Mensch, der auch gar nicht den Kontakt zu anderen sucht. Auf den ersten Blick scheint er das genaue Gegenteil von Melinda zu sein.

Dieses Buch ist ein wenig anders als die anderen Bücher von Elja. Es gibt drei Teile. 
Im ersten Teil verfolgen wir hauptsächlich einen Chatverlauf zwischen Simeon und Melinda. Das liest sich sehr flüssig und wir lernen beide Protagonisten kennen. Zumindest so wie sie sich nach außen hin geben.
Im zweiten Teil reisen wir in die Vergangenheit. Wir lernen Melinda und Simeon von einer ganz anderen Seite kennen und auf einmal geben so manche Zeilen aus den Chatverläufen einen ganz anderen Sinn.
Im dritten Teil passiert unglaublich viel. Da will ich nicht vorgreifen. Auf jeden Fall dürfen wir da beide auf eine sehr spannende und auch emotionale Reise begleiten.

Der Schreibstil ist wieder unglaublich tiefgründig, emotional und an vielen Stellen auch philosophisch.
So oft konnte ich mich in Melinda oder auch Simeon wiederfinden. Immer wieder habe ich das Buch zur Seite gelegt und über Passagen nachgedacht. 
Wie oben schon gesagt, es ist ein Buch mit einer Geschichte, die jedem von uns wiederfahren kann. Deshalb wirkt sie auch nicht konstruiert oder künstlich mit Drama gefüttert. 
Es ist eine leise Geschichte mit einer unglaublichen Wucht. Mich hat jede Seite mitgerissen und am Ende erst einmal sprachlos zurückgelassen.

Eljas Bücher wirken nach. Man liest sie nicht und greift direkt zum nächsten. Ich entdecke mich immer wieder dabei wie ich heute noch über Passagen aus „Immer noch wir“ oder „Zwei in Solo“ nachdenke. Und ich glaube das es hier nicht anders sein wird. 

Für mich ein unglaublich gelungenes Buch. Es hält uns den Spiegel vor, aber auf eine sehr liebevolle Art und Weise. Es regt zum Nachdenken an. Und alles ist in wundervolle Worte und eine sehr schöne und authentische Liebesgeschichte verpackt. 
Deshalb bekommt „Der hellste Teil der Nacht“ von mir 5 von 5 Lesekatzen.